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Younger next year – Mehr als eine Buchbesprechung

Filed in Allgemein, Buchtipps, Lifestyle by on 30. November 2015 3 Comments • views: 1892
Younger next year for women. Von Chris Crowley und Dr. Henry S. Lodge

Younger next year for women. Von Chris Crowley und Dr. Henry S. Lodge

Ihr habt vielleicht gelesen, dass ich beschlossen habe, 6x pro Woche für mindestens 45 Minuten aktiv zu sein, und zwar nur in zweiter Linie um abzunehmen. In erster Linie habe ich Angst um meine Gesundheit. Zipperlein hier und da und ich fühle mich wie die unfitteste Person auf diesem Planeten.

Ich habe den Vorsatz auch eigentlich ganz gut umsetzen können, wie ihr meinen Aufzeichnungen für November entnehmen könnt. Die größten Schwierigkeiten damit hatte ich immer am Wochenende, wenn wir als Familie faul auf dem Sofa saßen oder Freunde besuchten. Da mochte ich nicht alleine losziehen.
Aber ich muss.
Und ich ändere das “aktiv sein” in “Workout” oder “Training“. Denn Bowling ist zwar auch mit Bewegung verbunden, ebenso wie beispielsweise Gartenarbeit, aber es ist weder Ausdauersport noch Krafttraining. Das ist aber genau das, was mein Körper braucht. Oder vielmehr, was JEDER Körper braucht, wenn er nicht dem Verfall preisgegeben werden soll.
Mein System lautet also künftig:

Sechs Mal pro Woche mindestens 45 Minuten trainieren – und zwar für den Rest meines Lebens.

So, jetzt ist es raus. Und mir ist klar, dass das völlig irre klingt. Ich habe noch nie etwas für deutlich lange Zeit durchgehalten. Und “für den Rest meines Lebens” klingt eigentlich nicht machbar. Aber die Notwendigkeit leuchtet mir absolut ein.

Älter werden vs. Verfall

Wenn wir jung sind, ist alles auf Wachstum ausgerichtet. Nicht nur Längenwachstum, auch die Zellen erneuern sich fröhlich, werkeln und reparieren Schäden, wo auch immer welche entstehen. Dieser Prozess verlangsamt sich im Alter. Das ist der ganz normale Alterungsprozess.
Allerdings ist unser Hinterhirn (Metencephalon – Wikipedia) – der Bereich, in dem die ganzen automatischen Dinge ablaufen, die schon vor Jahrmillionen angelegt wurden – auf ein Leben ausgerichtet, das von stundenlanger täglicher Bewegung und der einen oder anderen Hungersnot geprägt ist. Unsere sitzende Wohlstandsgesellschaft existiert erst viel zu kurz, als dass sich dieser Bereich des Hirns da schon irgendwie hätte anpassen können.
So beginnt anstelle des normalen Alterungsprozesses der körperliche Verfall.

Wir altern nicht nur, wir verrotten.

Keine schöne Vorstellung, oder?
Verfall lauert überall – ab 50 mehr denn je. Aber wenn wir uns ein bisschen so benehmen, wie unser Hinterhirn es erwartet, können wir dem entgegenwirken. Und da der Verfall täglich an uns nagt, müssen wir auch täglich gegensteuern.
Das ist in aller Kürze das, was ich dem ersten Drittel des Buches Younger next Year (for women) entnommen habe. Da habe ich den ganzen Part von Cytokinen, die für (trainingsbedingte, erwünschte) Entzündungen (C-6) und deren Reparatur (C-10) verantwortlich sind, noch ausgespart, denn deren Erklärung würde diesen Beitrag sprengen. Wichtig ist nur zu wissen, dass diese akuten, kurzfristigen Entzündungen / Verletzungen (wie z.B. beim Muskelkater) den Reparaturprozess in Gang setzen, der den ganzen Schrott aus dem Körper herausputzt, inklusive der Ablagerungen in den Blutgefäßen. Nicht von heute auf morgen, aber kontinuierlich. Und an jedem Tag, an dem wir diese Putzarbeit nicht betreiben, hat der Verfall erneut freie Hand und wir sind dem Herztod wieder ein Stückchen näher.
Denn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen mit Abstand die Todesursache Nr. 1 – weit vor sämtlichen Krebsarten. Habt ihr das gewusst? Also ich nicht. Und die Vorstellung, dass sich jederzeit ein winziges Stückchen von dem Modder in meinen (und euren!) Gefäßen lösen und Coronararterien oder Blutgefäße im Hirn verstopfen (und so zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen) könnte, finde ich ziemlich beunruhigend.
Als ich also Angst hatte am NIKE WOMEN’S RUN teilzunehmen, weil ich dachte, ich könnte tot umfallen, war das vielleicht genau die falsche Denkweise.
Schön – ich war komplett untrainiert, weil ich es perfektioniert habe, Ausreden dafür zu finden, warum ich nicht joggen gehen kann. Und ohne Training in einen Wettkampf zu gehen, ist immer dämlich, selbst wenn man nur ankommen will.
Aber der Grund, weshalb ich mich für sechsmal pro Woche Workout für den Rest meines Lebens entschieden habe, sind keine Wettkämpfe und keine Gewichtsabnahme (obwohl ich mich seither wieder ein bisschen wohler fühle), sondern dass ich dem körperlichen Verfall vorbeugen will, incl Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebsrisiko und Alzheimer, das bei mir familiär übelst gehäuft auftritt.
Younger next Year hat mir die Augen geöffnet. Auch wenn ich anfangs sehr gelacht habe. Da steht nämlich sinngemäß auf dem Cover (ich lese die englische Originalausgabe), dass man es schaffen kann, mit 80 oder 90 auf dem Fitnesslevel einer Fünfzigjährigen zu sein. Dabei fühle ich (51) mich doch immer wie 80!

Wir sind alle lebensgefährlich faul!

Das Buch ist schon zehn Jahre alt, und ich staune eigentlich, dass sich die Erkenntnisse daraus nicht viel weiter verbreitet haben. Das weitaus Meiste daraus ist absolut einleuchtend (jedenfalls so weit ich es bisher gelesen habe), und die beiden Autoren (ein Arzt und sein 70jähriger Patient), benutzen eindringliche Methaphern.
Beispielsweise die vom Verfall als Flut, die jeden Tag steigt und uns ans Ufer treiben und an den Felsen zerschmettern will. Weswegen wir auch jeden Tag dagegen steuern müssen, denn die Flut macht ebenfalls keine Pause. Deswegen wäre auch eigentlich sieben Mal Workout pro Woche angesagt, aber den Autoren ist auch klar, dass das nun wirklich kaum zu schaffen ist. Und wichtig ist ja, dass man es tut. Sechs Mal pro Woche, ohne Ausreden. Und auch nicht erst ab 1. Januar, sondern sofort und für immer.

Wie hart trainieren?

Es gibt verschiedene Praxisbeispiele im Buch. Z. B. von einer Athletin, die irgendwann mit dem Sport aufgehört hat, jetzt aber die sechs-Tages-Routine durchzieht und dabei auch für Marathons trainiert. Oder – und das passt viel besser zu mir und dem Unsportlich-Blog – von dem stark übergewichtigen Mann, der sich kaum noch bewegen konnte, und dessen tägliches Training Strandspaziergänge sind, die er anfangs kaum eine Viertelstunde durchhielt. Einige Monate später war nicht nur seine Kondition deutlich verbessert, auch seine Blutwerte waren fast wieder im Normalbereich. Also war zumindest mein Babywalk, das abendliche Walken ohne Baby und das Radfahren ein Schritt in die richtige Richtung. Man soll ins Schwitzen geraten (Fortgeschrittene können bei 60 – 65% der max. Herzfrequenz trainieren. Max. Herzfrequenz = 220 minus Alter, grob gesagt).
Anfangs reicht es aus, sechs Mal pro Woche Ausdauertraining für 45 Minuten zu machen. Nach einiger Zeit könnt ihr das an zwei Tagen pro Woche durch Krafttraining ersetzen – das ist dann noch effektiver. Aber wenn ihr nur Ausdauer machen möchtet, ist das völlig ok.
Eins bitte nicht vergessen: Zu sagen ein oder zwei Mal pro Woche Sport wäre besser als nichts, bringt gar nichts. Denn erstens seid ihr dann ganz schnell wieder bei NICHTS angelangt und – wie gesagt: Der Verfall, das innerliche Verrotten, Vergammeln, die Flut, die euch gegen die Felsen schmettern will, macht auch keine Pause.
Man hört solche Storys von Menschen, die durch Sport genesen, immer wieder mal. Und EIGENTLICH ist uns allen schon bewusst, dass wir uns mehr bewegen müssen. Schon unseren Bandscheiben zuliebe. Aber meist bleibt es beim Vorsatz, weil die ganzen Zusammenhänge von Wachstum vs Verfall selten so plakativ und für Laien verständlich erläutert werden, wie in diesem Buch. Aber wenn ihr das einmal verinnerlicht habt, schubst ihr den Schweinhund vom Sofa und wollt sofort und auf der Stelle für biologischen Frühling im Körper sorgen.
Gerade habe ich ein schlafendes Baby im Arm. Aber wenn die Babymama aus der Schule zurück ist, schwinge ich mich – je nach Wetter – entweder aufs Rad (Radfahren wird sehr empfohlen) oder hole den Stepper wieder raus. Und genau wie im November werde ich das auch im Dezember dokumentieren. Als zusätzliche Motivation für mich und nicht zuletzt für euch.
Auf dass wir im nächsten Jahr alle jünger werden ;-)
Kennt eine von euch das Buch und hat Lust hier von ihren Erfahrungen zu berichten?

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Petra

About the Author ()

Petra A. Bauer, Autorin, Bloggerin, Rennschnecke. Sport- und Outdoor-Fashionvictim. Schreibt hier über ihre Bemühungen, Sport nicht mehr als Mord zu betrachten.

Comments (3)

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  1. Trainingstagebuch Dezember 2015 | Unsportlich - na und? | 1. Dezember 2015
  1. Hallo liebe Petra, wir kennen uns von Facebook (Martina Schwalenberg) :). Irgendwie bin ich jetzt erst die Tage auf deinen “unsportlich” Blog gestoßen. Ich bin 54 und mir geht es genauso wie dir. Ich bin total unsportlich, habe absolut kein Sportgen vom lieben Gott mitbekommen. Tja und wie das so beim Älterwerden ist (grundsätzlich werde ich gerne älter) der Körper, der schon soviel für mich geleistet hat, möchte mehr Rücksicht und Entgegenkommen :). Ich mag Sport überhaupt nicht, nein auch nicht hinterher, ich bin nicht stolz dass ich es gemacht habe sondern nur froh, das es vorbei ist :(. Als ich aufhört habe zu Rauchen (immerhin schon 15 Jahre her) hatte ich den ersten Einbruch. 15 kg zugenommen. Dann habe ich Sport gemacht ein wenig darauf geachtet was ich esse und hatte diese wieder runter. Dann Burnout mit anschl. Depression (die letzten 2,5 Jahre) und wieder 15 kg drauf. Ich bin jetzt seit November 2 x die Woche beim Sport und versuche auch Nordic Walking zu machen – bis jetzt erfolglos, obwohl ich in der Reha gemerkt hatte: es tut mir gut (so typisch Mensch ;-). Jetzt wurde mir gestern gesagt, ich habe einen erhöhten Blutzucker also Diabetes. Nicht extrem aber schon im roten Bereich. Tja und jetzt bin ich hier und lese, wie tapfer du bist. Denn bei “Zucker” ist natürlich Bewegung sehr wichtig. Es ist bei mir auch so, dass meine Ärztin gesagt hat: alles noch in den Griff zu bekommen. Und das möchte ich jetzt auch. Dein Blog wird mir dabei helfen, denn es ist schön zu lesen wie du über deine sportlichen Einsätze berichtest :D. Also viel Erfolg für dich – und ein wenig egoistisch – auch für mich.

    Liebe Grüße
    martinchen.

  2. Petra Petra sagt:

    Liebe Martina,
    hab vielen Dank für deinen langen, offenen Kommentar <3
    Bisher war ich auch meist bloß froh, wenn ich Sport irgendwie hinter mich gebracht habe, aber das scheint sich gerade zu ändern. Jetzt freue ich mich richtig darauf, wenn auch nicht immer. Gerade in den letzten Tagen bin ich ein bisschen nachlässig geworden, aber Kommentare wie deiner motivieren mich dann immer wieder :-)
    Wenn dein Diabetes erst am Anfang ist, ist es sicher möglich, das mit regelmäßiger Bewegung noch in den Griff zu bekommen. Ich kann auch dieses Buch echt empfehlen, weil da die ganzen Zusammenhänge sehr deutlich beschrieben werden. Außerdem finde ich es interessant, dass da nicht nur der Arzt sondern auch ein Patient schreibt.
    Ich drück die Daumen, dass du das alles in den Griff bekommst und hoffe wirklich, dass meine Motivation für uns beide reicht und anhält :-)
    Vielleicht hast du ja auch Lust deine Trainingsfortschritte mit dem Hashtag #everyday45minutes auf Instagram oder Facebook zu dokumentieren – das spornt vielleicht zusätzlich an.
    Liebe Grüße von Petra, die jetzt erstmal kochen muss und dann für 45 Minuten raus will :-)

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