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Personal Trainer?

Filed in Allgemein, Journal, Persönliches by on 6. November 2015 3 Comments • views: 1235
Ich hab meinen Personal Trainer mit dabei.

Ich habe meinen Personal Trainer immer dabei ;-)

Mitunter kommt im Leben der Punkt, wo es definitiv reicht: Im Spiegel guckt mich eine Frau mit rd. 15 Kilo Übergewicht an, ständig müde und am unteren Ende der körperlichen Leistungsfähigkeit angelangt. So muss sich das Fatigue-Syndrom anfühlen, dachte ich. Vor einiger Zeit stellte sich zusätzlich das Gefühl ein, absolut vollgefressen zu sein, obwohl ich ganz normale Mengen esse, genau wie vorher.

Ursachenforschung

Nach Betrachtung aller Umstände gab es vier fünf sechs Möglichkeiten weshalb ich so kaputt war: Es könnte schlicht am Übergewicht liegen. Wobei ich mich frage, weshalb Menschen mit deutlich (deutlich!) mehr Übergewicht so viel fitter wirken als ich.
Es könnte an den Wechseljahren liegen (die für meinen Geschmack mindestens 20 Jahre zu früh kamen, aber das ist ein anderes Thema), aber da kenne ich auch keine andere Frau, die gerade mal am frühen Nachmittag für ein paar Stunden sowas Ähnliches wie wach ist.
Drittens: Meine Jüngste hat uns ein Enkelkind geschenkt, das inzwischen viereinhalb Monate alt ist. Wir leben alle zusammen in einem kleinen Haus, und ich übernehme die Babybetüdelung, wenn meine Tochter in der (Ganztags-)Schule ist oder etwas vorhat. Anfangs schob ich auch die eine oder andere Nachtschicht.
Die vierte Möglichkeit, weshalb ich so fertig war, könnte eine üble Krankheit sein. Da ich sowas aber lieber gar nicht so genau wissen will und lieber keinen Arzt befrage (zumal meiner nie was findet), schloss ich Möglichkeit vier erstmal aus. WARNING: Don’t do this at home!
Nachtrag: Ich überlege, doch mal einen Termin zu machen, wenigstens für ne Blutuntersuchung.
Also gehe ich der Einfachheit halber von der Vermutung aus, dass es eine Mischung aus den anderen drei Faktoren sein kann. Und davon ist das Übergewicht das einzige, woran ich etwas ändern kann.
Nachtrag 1: Als ich diesen Beitrag beinahe fertig hatte, erfuhr ich von einer fünften Möglichkeit, die ziemlich gut zu passen scheint. Weiter unten gehe ich näher darauf ein.
Nachtrag 2: Ich habe mein Asthma völlig vergessen! Ich hatte vor einiger Zeit einen heftigen Anfall (ich sag nur: Abstellkammer aufräumen und Staub schlucken) und kurz darauf war mein Dauerspray alle und ich kam nicht zum Arzt. Meine Akut-Sprays waren alle seit Jahren abgelaufen (ups…) und nicht mehr voll wirksam. Seit ich wieder rundum mit Medis versorgt bin, kriege ich wieder Luft und bin auch nicht mehr so müde. Was natürlich auch an vermehrter Bewegung liegen kann.

Falsche Ernährung

Bei einer Größe von 1,76 m lag mein Wohlfühlgewicht immer bei 68 Kilogramm. Schon wenn ich die 76 Kilo-Marke erreichte (was man früher Normalgewicht nannte – Körpergröße in cm minus 100), fühlte ich mich sehr unwohl: kurzatmig, Rücken- und Kniegelenksprobleme.
Lange Zeit eierte ich also zwischen 71 und 75 Kilo herum. Dann reiste unsere Familie 2013 in die USA. Ich hatte zuvor ca 15 Jahre lang immer schwarzen Tee mit Milch getrunken, aber diesen dort so zu bekommen, wie ich ihn mag, war praktisch unmöglich. Also lernte ich Café Mocha kennen und lieben: Latte Macchiato mit Kakao. Den trinke ich trank ich seit dieser Reise bis vor einer Woche täglich und krönte ihn noch mit Schokosoße.
Zeitgleich entdeckte ich meine Liebe zu Bier, v. a. Craft Bier aus kleinen Brauereien. Schmeckt einfach um Längen besser als immer nur Mineralwasser.
Ich hatte Kaffee und Bier vor einiger Zeit probehalber mal für eine gute Woche weggelassen und auf einen Schlag 4 kg weniger gewogen. Aber gegen Dinge, die schmecken, dauerhaft anzukommen, ist nicht einfach. Besonders, wenn man dann durch den Kaffeeverzicht auch noch müder ist als sonst schon.

Blöde Wechseljahre

Und die Wechseljahre machen alles nicht gerade einfacher. Im Gegenteil – sie scheinen nicht nur den Grundumsatz dramatisch zu senken (das tun sie ja wirklich), sondern auch noch den Willen nachhaltig zu schwächen. Leider ist die tägliche Willenskraft begrenzt und muss schon dafür verwendet werden, morgens aufzustehen oder die Steuererklärung zu machen. Dann reicht sie oft nicht mehr dafür aus, ein angebotenes Würstchen abzulehnen. Andere Autorinnen hätten vielleicht ein Stück Schokolade als Beispiel herangezogen. Ich bin jedoch eher mal unterwurstet als unterzuckert, daher passt das besser zu meiner Situation. Süßen Dingen kann ich viel eher widerstehen.

Ab zum Gyn

Nachdem mir die letzte Anti-Wechseljahres-Pillenpackung auch noch vorkam, als hätte jemand die Pillen gegen Placebos ausgetauscht, war ein Besuch beim Gynäkologen fällig. Ich will dem Mann nicht zu nahe treten, aber so lange, wie ich ihn kenne, müsste er langsam auf die 60 zugehen, sieht aber nicht so aus.
Ich habe mich schon häufiger mit ihm über den Nutzen von Sport (so viel wie möglich), vor allem ab Ü 40 unterhalten. Wir jammern uns immer gegenseitig die Ohren voll, wie leicht es inzwischen ist, zuzunehmen und das Zeug nicht mehr loszuwerden. Im Gegensatz zu mir ist der Mann aber sportlich und eigentlich ziemlich durchtrainiert. Er hat mir letztens auch einen Gutschein für Probe-Kieser-Training geschenkt (was ich wegen der Babybetreuung bisher nicht wahrnehmen konnte).

Personal Trainer?

Als ich vorgestern bei ihm war, fragte er: “Frau Bauer, wie wäre es mit einem Personal Trainer?” Er hadert wohl auch ein bisschen mit Disziplinlosigkeit und ab nächster Woche hat er jetzt endlich den Personal Trainer, den ein Freund schon seit zehn Jahren beschäftigt. Mein Doc freut sich: “Jetzt ist endlich Schluss mit Terminen schwänzen” und er verlangt, dass der Trainer ihn richtig quält.
Ich finde die Idee eigentlich gut. Allerdings ist ein Personal Trainer bekanntlich teuer, weil er seine Zeit immer nur an eine Person verkaufen kann. Und bei mir wäre das derzeit so, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Ich bin so unfit, dass ich die acht Stufen aus dem Keller nur mit Herzrasen bewältige und mich hinterher setzen muss. Aber ich werde den Tipp für die Zeit im Hinterkopf behalten, wenn ich wieder so etwas Ähnliches wie Kondition aufgebaut habe.

Baby Walk

Und genau daran arbeite ich gerade. Ich schaffe die Kellertreppe jetzt nämlich. Und zwar ohne anschließend ein Sauerstoffzelt zu brauchen. Wozu habe ich schließlich meinen Baby-Personal-Trainer hier? Andere haben einen Hund, ich habe das Baby und das kann auch mal frische Luft gebrauchen. Es ist allerdings nicht ganz einfach längere Spaziergänge zu machen, da ich jeden Mittag zu meiner Tochter in die Schule fahre, um ihr die Kleine zum Stillen zu bringen.
Andererseits komme ich ohnehin zu nichts mehr. Sei es, dass ich ein Boot quer durch die Stadt ins Winterquartier fahre, um dort vor verschlossenen Türen zu stehen (Boot wieder mitnehmen – minus drei Stunden) oder dass ich mit Tochter und Enkelkind zweieinhalb Stunden in der Schule spiele, damit die Lehrerin kurz vor der anschließenden Stunde sagt, der Unterricht fällt dann mal aus (= Schulschluss, bedeutet minus dreieinhalb Stunden insgesamt, weil ich dann das Baby nicht hätte wecken und losfahren müssen).

Gesundheit geht vor!

Also habe ich entschieden, dass ich ebensogut zusätzliche Zeit für meine Gesundheit aufwenden kann. In den letzten Tagen habe ich die Kleine in den Kinderwagen gepackt und bin jeweils rd 5 km mit ihr gewalkt.
Das Baby ist jetzt mein Personal Trainer. So habe ich einen Grund vor die Tür zu gehen und mich zu bewegen.

Das Baby ist jetzt mein Personal Trainer. So habe ich einen Grund vor die Tür zu gehen und mich zu bewegen.

Ich ging schnellen Schrittes spazieren – so schnell es mit meiner miesen Kondition und dem Kinderwagen eben möglich ist. Ich sollte allerdings dabei wieder Trainingsklamotten anziehen, denn als ich heute nach 75 Minuten zurückkam, war ich mit T-Shirt, Strickjacke und Mantel total durchgeschwitzt.
Und was soll ich sagen? Obwohl ich das erst seit zwei Tagen mache, bin ich weniger müde und fühle mich deutlich besser. Außerdem habe ich meine Ernährung komplett umgestellt, aber dazu mehr im nächsten Posting.

Muskelschwund durch Inaktivität

Seit eben habe ich auch so eine Ahnung, woran das wirklich liegen könnte: Da schrieb nämlich Michaela in meinem Lieblingsnetzwerk Texttreff, unabhängig von meinem Problem, dass “diese extreme Müdigkeit, die in keinerlei Verhältnis zu vorangegangenen körperlichen Aktivitäten steht und sich auch durch Schlaf nicht bessert,” verschiedene Ursachen haben kann. Und eine davon ist Muskelschwund durch Inaktivität. Bäm!
Dazu passt auch, dass mein Gyn sagte, dass Menschen in meinem Alter sowieso bloß noch 50% der Muskelmasse besitzen, die wir in jungen Jahren hatten (naja, ich glaube, bei mir war das nie viel. Nicht umsonst führt dieses Blog “unsportlich” im Titel). Aber es ist eben logisch, dass man sich immer weniger bewegt, je anstrengender es ist. Ok, vielleicht nicht logisch, aber zwangsläufig, weil natürlich der Schweinehund immer fetter und größer wird. Ich jedenfalls habe mich dadurch zur echten Couch Potato entwickelt

Lifestyle ändern, dringend!

Wo mir das jetzt aber klar geworden ist, habe ich ein System für Ernährungsumstellung (siehe nächstes Posting) und Bewegung beschlossen. Ein System, kein Ziel, denn “Ziele sind etwas für Verlierer”, wie Dilbert-Erfinder Scott Adams ganz richtig sagt. Weil nämlich jedes Nicht-erreichen eines Ziels eine Niederlage bedeutet. Und dieses Scheitern führt auf Dauer zur Aufgabe. Ich sage also nicht: “Ich will 15 Kilo abnehmen”, sondern: “Ich werde jeden Tag 45 Minuten lang aktiv sein.”

Aktiv sein ist eine gute Formulierung (auch wenn es nach Seniorensport klingt), denn es kann 45 Minuten im Fitnessstudio bedeuten oder eine Dreiviertelstunde exzessives Wäscheaufhängen. Hauptsache nicht auf dem Sofa oder vor dem Rechner sitzen (vielleicht sollte ich mir ja doch noch ein Laufband mit Schreibtisch leisten, bloß, wo sollte das hin?)

Ich bin guten Mutes, dass ich auf diese Art meine bleierne Müdigkeit bekämpfen kann, wieder fitter werde, und vielleicht sogar dabei abnehme. Und dann können wir nochmal über einen echten Personal Trainer nachdenken.

Kennt ihr die beschriebenen Probleme auch? Wie habt ihr sie bekämpft? Mögt ihr in den Kommentaren darüber berichten? Ich würde mich freuen!

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Petra

About the Author ()

Petra A. Bauer, Autorin, Bloggerin, Rennschnecke. Sport- und Outdoor-Fashionvictim. Schreibt hier über ihre Bemühungen, Sport nicht mehr als Mord zu betrachten.

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